Wermut - Artemisia absinthium

Wermut

Der Wermut stammt aus den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel. Das Heilkraut hat eine auffallende grau-grüne Färbung und duftet intensiv. Es kann bis 150 cm oder höher werden und blüht mit kleinen, gelben Köpfchen in den Sommermonaten. Schon in der Antike wurde der Wermut als Heilpflanze genutzt. Bei den griechischen Göttern war er der Göttin Artemis, der Jagdgöttin, geweiht. Von ihr stammt der botanische Name „Artemisia“. Auch im Mittelalter wurde der Wermut als Heilpflanze geschätzt und u.a. von Hildegard von Bingen als Magenstärkungsmittel beschrieben. Andere Bezeichnungen sind beispielsweise Absinth, Heilbitter, Wurmkraut oder Magenkraut.

 

Wermut sticht durch seine Bitterkeit aus dem Reigen der Heilkräuter hervor. Der bittere Geschmack und die wärmende Wirkung, die er laut der chinesischen Medizin hat, verweisen auf die Wandlungsphase Feuer. Zu dieser Wandlungsphase gehören der Sommer und das Organ Herz. Trotzdem, oder gerade deswegen, wird der Wermut jetzt im November beschrieben. Der so genannte Totenmonat, der mit Nebel, klamm, kalt und dunkel assoziiert wird, kann durch den Wermut etwas aufgehellt werden. Ein alter Spruch lautet: „Wermut tut bei Schwermut gut“. Wie das funktioniert, kann mit der chinesischen Medizin erklärt werden.

Wermutblüten

Der bittere Geschmack des Wermuts ist wie alle bitteren Kräuter ein Hinweis auf seine Wirkung auf Leber und Galle. Wermut regt den Gallefluss an und löst Blockaden wie Krämpfe oder Blähungen. Er fördert den Appetit und die gesamte Verdauungstätigkeit. Sowohl Leber/Galle als auch Magen/Darm werden in ihrer Funktion gestärkt. Die Bitterkeit trocknet Schleim und Feuchtigkeit, die Wärme vertreibt Kälte aus Magen und Darm. Eine gut funktionierende Verdauung ist die Basis für genügend Qi (Energie). Wermut stärkt daher nicht nur die Verdauung, sondern allgemein den ganzen Menschen. Wenn Feuchtigkeit verarbeitet wird bzw. gar nicht erst entsteht, wenn Wärme und Qi vorhanden ist, dann können Schwermut und Lethargie verhindert werden. Auch ein nebliger und kühler November kann einem dann nicht mehr die Laune verderben und krank machen.

Wermutpflanze

Im 19. Jahrhundert wurde die stimmungsaufhellende Wirkung des Wermut noch stärker betont und als euphorisierend ja sogar aphrodisierend hochstilisiert. Das alkoholische Getränk Absinth, das aus Wermut und anderen Kräutern besteht, entwickelte es sich zu einem Modegetränk. Prominente Vertreter der Absinth-Konsumenten sind Künstler wie z.B. die Maler van Gogh und Toulouse-Lautrec. Ziemlich schnell stellte sich aber heraus, dass die grüne Fee, wie Absinth auch genannt wird, schwerwiegende Nebenwirkungen haben kann. Das ätherische Öl des Wermuts, dass Thujon, kann in hoher Konzentration das zentrale Nervensystem angreifen und Schwindel sowie Wahnvorstellungen verursachen. Aus heutiger Sicht war es vermutlich nicht das Thujon alleine, das zu einem körperlichen und geistigen Verfall seiner Konsumenten führte.

 

Trotzdem, auch wenn Absinth heute nicht mehr verboten ist, sollte man es nur in Maßen genießen. Auch bei der Einnahme von Wermuttee oder -tinktur ist die Regel einzuhalten, nach der ein Heilkraut nicht länger als sechs Wochen verabreicht werden sollte. Danach sollte man erstmal pausieren. Während der Schwangerschaft ist Wermut generell verboten und auch bei Magen- und Darmgeschwüren ist Wermut kontraindiziert.