Süßholz - Glycyrrhiza glabra

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Das Süßholz, die Arzneipflanze des Jahres 2012, ist eine mehrjährige Staude aus der Familie der Hülsenfrüchtler, die aus dem vorderen Orient stammt. Sie kann bis zu einem Meter hoch werden und blüht im Juli/August mit kleinen weiß-bläulichen Blüten. Ihren medizinischen Nutzen kannten bereits die alten Ägypter, Griechen und die Römer sowie natürlich die Chinesen. In Europa wurde das Süßholz erst im 18. Jahrhundert so richtig bekannt, als man aus einem Extrakt aus den Wurzeln die Süßigkeit, Lakritz, erfand, die heute bekannter ist als die Pflanze, aus der sie gemacht ist.

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Süßholz schmeckt süß und hat im rohen Zustand ein neutrales Temperaturverhalten; angeröstet wirkt es warm. Süßholzwurzel ist das Mittel, das mit am häufigsten in den Rezepturen der Chinesischen Medizin auftaucht. Grund dafür ist, dass sie die Wirkung der anderen Kräuter harmonisiert, ohne die in deren Wirkung zu beeinträchtigen. Beispielsweise wird Süßholz gern bitter schmeckenden Kräutern zugegeben. Süßholz befeuchtet und gleicht damit den trocknenden Charakter der Bitterstoffe aus. Im Gegensatz zu anderen Süßstoffen verringert Süßholz aber nicht den Effekt, den man mit den bitteren Kräutern erreichen will. Die Fähigkeit zu harmonisieren gilt vor allem für die Wandlungsphase Mitte. Süßholz unterstützt das Qi von deren Organen Milz und Magen und fördert somit deren Funktion. Es wirkt damit gegen Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen. Wenn die Mitte gut funktioniert, dann hat das positive Auswirkungen auf den Gesamtzustand: daher wirkt Süßholz auch gegen Müdigkeit und Antriebsschwäche. Obwohl Süßholz eine durchaus befeuchtende Eigenschaft mitbringt und man es daher bei Heiserkeit und trockenem Husten einsetzt, kann man es auch bei Verschleimung verwenden. Das funktioniert deshalb, weil die Mitte in ihren Aufgaben gestärkt wird. Und eine ihrer Aufgaben ist es, Feuchtigkeit zu transformieren und wenn nötig nach draußen zu befördern.

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Kennen Sie den Ausdruck „Süßholz raspeln“? Dahinter steckt die Idee, jemanden in eine gute Stimmung zu bringen oder gnädig zu stimmen, um im Anschluss eine positive Antwort oder Stellungnahme zu bekommen. Nun, das tatsächlich geraspelte Süßholz ist die einfachste Grundlage für eine therapeutische Zubereitung, beispielsweise Tee. Und der wirkt besänftigend auf einen rauen Hals und eine heisere Stimme, weil Süßholz die Schleimhäute schützt und heilt. Hier geht es im wahrsten Sinn des Wortes um einschmeicheln und eine gute Stimmung. Süßholz wirkt sich nämlich auch positiv auf das Gemüt aus. Schuld daran sind die sogenannten Adaptogene, Stoffe, die dem Körper helfen, sich an Stresssituationen besser anzupassen und stressbedingte Erkrankungen erst gar nicht entstehen zu lassen. Bekannte Pflanzen mit diesen Wirkstoffen sind Ginseng, Jiaogulan und Moringa.

 

Trotz aller guten Wirkungen hat Süßholz bei längerer Einnahme und zu hoher Dosierung Nebenwirkungen. Die Süße und die befeuchtende Wirkung kann dann zu Ödemen (Wasseransammlungen) und Herzbeschwerden führen. Außerdem wird geraten in der Schwangerschaft und bei Lebererkrankungen auf Süßholz zu verzichten.