Mutterkraut - Tanacetum parthenium

Mutterkraut

Das Mutterkraut stammt aus dem Südosten Europas und Kleinasien. Mit den Mönchen kam das Mutterkraut im Mittelalter in den mittel- und westeuropäischen Raum, wo es unter anderem auch von Hildegard von Bingen bekannt gemacht wurde. Das Mutterkraut gehörte zu dieser Zeit zur Standartausführung eines Kräutergartens. Auch heute ist diese Pflanze in vielen Gärten gern gesehen – als Heilpflanze und als Zierpflanze. Bei den Griechen der Antike wurde das Heilkraut „Parthenium“ genannt, übersetzt „Jungfrau“. Im botanischen Namen ist diese Bezeichnung im Zusatz „parthenium“ noch erhalten. „Mutterkraut“ kommt vom alten botanischen Namen der Pflanze "Matricaria", was vom lateinischen "mater" (Mutter) stammt. Sowohl die „Jungfrau“ als auch die „Mutter“ verweisen auf die Einsatzgebiete dieser Heilpflanze vor allem in der Frauenheilkunde.

Mutterkraut

Das Mutterkraut ist eine bis zu 50 cm hohe Staude, die sich mit der Zeit zu einem stark verzweigten Busch entwickeln kann. Die Blätter haben eine helle gelbgrüne Farbe und ähneln den Blättern des Rainfarns. Das Mutterkraut blüht von Juni bis August. Die Blüten erinnern an Kamille und Gänseblümchen. Sie haben auch ein gelbfarbenes Körbchen und weiße Zungenblüten. Das Mutterkraut strömt einen würzigen, kamillenartigen Geruch aus. Die Ähnlichkeit mit der Kamille hat wohl zu den Bezeichnungen „Falsche Kamille“ und „Zierkamille“ beigetragen. Da sie unter anderem eine fiebersenkende Wirkung hat, nennt man sie auch Fieberkraut, eine Bezeichnung, die sich im englischen Sprachgebrauch bis heute hält (Fewerfew).

Mutterkraut

Die Blüten und die Blätter des Mutterkrauts haben einen bitteren, leicht scharfen Geschmack und eine kühlende Wirkung. Diese Eigenschaften beschränken sich für die chinesische Medizin nicht nur auf die fiebersenkende Fähigkeit. Vielmehr gehört dazu auch die Möglichkeit, Yang abzusenken, wenn zuviel davon vorhanden ist. Das kann beispielsweise in der Wandlungsphase Holz und dort vor allem bei dem Organ Leber vorkommen. Die Energie der Leber will von ihrer Natur aus nach oben und außen, die Richtungen des Yang. Wenn diese Bewegung blockiert wird oder ein entsprechendes Gegengewicht fehlt, dann kann sich diese Energie stauen oder überschießen. Es entwickeln sich Hitzeprozesse, Verkrampfungen, Entzündungen – und das vor allem im oberen Körperbereich. Dazu gehören Kopfschmerzen, Neuralgien, Entzündungen der Augen, Reizbarkeit und Wut, aber auch Tinnitus und Schwindel. Auffallend gut wirkt das Mutterkraut bei Migräne. Während bei uns diese Eigenschaft erst in den letzten Jahren wiederentdeckt wurde, nutzen etwa die Engländer sie schon seit mehr als 200 Jahren. Interessant ist, dass das Mutterkraut besonders dann bei Migräne wirkt, wenn es vorbeugend eingenommen wird (Prophylaxe). Mutterkraut kann als Tee und als Tinktur eingenommen werden. Dafür kann sowohl das frische Kraut als auch die getrocknete Kräuterdroge benutzt werden.

Der Name deutet, wie bereits erwähnt, auf ein weiteres Verwendungsgebiet von Mutterkraut hin: die Frauenheilkunde. Viele Beschwerden rund um die Menstruation lassen sich positiv mit Mutterkraut beeinflussen. Dazu gehören die Beschwerden vor den Tagen (sog. PMS), Krämpfe im Unterleib und Schwierigkeiten sowie Schmerzen bei den Blutungen. Hier kommt vor allem die besondere Fähigkeit des Mutterkrauts zu entspannen zum tragen.

Bei der Anwendung von Mutterkraut ist darauf zu achten, dass es noch andere Pflanzen gibt, die den Beinamen Mutterkraut bekommen haben, aber nichts mit dem hier beschriebenen Kraut zu tun haben, wie etwa die Alpen-Mutterwurz. Während der Schwangerschaft und der Stillzeit darf Mutterkraut nicht verwendet werden; ebenso wenig bei Allergie gegen Mutterkraut und andere Korbblütler. Bei längerer Einnahme sollte der fachkundige Rat von einem Heilpraktiker oder Arzt eingeholt werden.