Kirsche - Prunus avium

Kirschblüten

Die Wildform der Kirsche, die Vogel-Kirsche, war Baum des Jahres 2010. Die kultivierten Formen, Knorpelkirsche und Herzkirsche, werden im allgemeinen Sprachgebrauch als Süßkirschen bezeichnet. Sie gehören zur Familie der Rosengewächse und werden um die 20 Meter hoch. April bis Mai blühen die Kirschen, je nach Baum und Lage können es bis zu einer Million Blüten sein. Die Früchte reifen sortenabhängig in den Sommermonaten. Die Kirsche wächst in Europa, im Mittelmeerraum, in Nordamerika sowie Asien, und ihre Früchte wurden bereits in der Steinzeit genutzt. Eine Verwendung in der Diätetik der chinesischen Medizin ist für das 2. Jahrhundert n. Chr. belegt.

Kirschen

Die Kirschenfrüchte schmecken süß-sauer und werden laut chinesischer Medizin als wärmend eingestuft. Sie werden roh gegessen, als Saft oder Sirup getrunken sowie in Alkohol eingelegt eingenommen. Ihr therapeutischer Nutzen liegt zum einen in der Unterstützung der Wandlungsphase Erde/Mitte mit ihren Verdauungsorganen Milz und Magen. Die Kirsche fördert deren Funktion und kann daher gegen Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden. Die Mitte hat auch einen maßgeblichen Anteil an der Blutproduktion, wobei „Blut“ in der chinesischen Medizin mehr meint als in unserer Sprache. Es ist gewissermaßen eine materielle Form des Qi. Der Mangel an Blut macht sich in Erschöpfung, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Trockenheit von Haut und Schleimhäuten bemerkbar. Die Kirsche greift über die Verdauungsorgane in den Blutaufbau ein und kann daher gegen diese Krankheitszeichen eingesetzt werden.

Kirschen mit Blätter

Erschöpfung, Abgeschlagenheit und Energiemangel kann einerseits - wie gerade besprochen - auf die Wandlungsphase Mitte zurückgeführt werden. Oft ist bei diesen Themen auch die Wandlungsphase Holz mit im Spiel. Die Kirsche macht sich auch dort positiv bemerkbar, indem sie die Leber in ihrer Funktion, unter anderem das Qi frei fließen zu lassen, unterstützt. In der Laudatio zum Baum des Jahres 2010 wird die Kirsche als „Jungbrunnen für neue Lebenskraft und Vitalität“ bezeichnet. In diesen Zusammenhang passt ein weiterer Wirkungsbereich der Kirsche: Die chinesische Medizin setzt sie ein, um Kälte und Feuchtigkeit zu vertreiben. Diese beiden Faktoren sind zusammen mit Schmerzen charakteristisch für die westlichen Krankheitsbilder Gicht und Rheuma. Kirschen haben einen positiven Effekt auf den Säuregehalt des Bluts und sind schmerzlindernd. Außerdem fördern sie über die Wandlungsphase Holz Muskeln und Sehnen in ihrer Beweglichkeit und Funktionalität. Die Kirschen sind regelrechte kleine Kraftpakete. Wer kann, sollte jetzt das Angebot der frischen Früchte nutzen. Da die Kirsche eine wärmende Wirkung besitzt, ist bei bestehenden Problemen, die mit Hitze/Wärme zu tun haben, Vorsicht angebracht. Außerdem gilt das traditionelle Gebot, keine rohen Kirschen zusammen mit Wasser zu sich zu nehmen, weil die Gefahr von Magen-Darm-Koliken besteht.