Karotte – Daucus carota

Karotte

Die Karotte ist seit der Antike als Nahrungs- und Heilmittel bekannt. Neben der kultivierten Karotte gibt es bis heute ihren Vorfahren, die aus Europa stammende sogenannte wilde Möhre, die auf Wiesen und am Wegesrand verbreitet ist. Die unterschiedlichen Formen und Farben wurden über die Jahrhunderte aus dem persischen Raum (rot-violett), aus dem Mittelmeerraum (hell bis weiß) bzw. aus den Niederlanden (orange) importiert und eingezüchtet. Die Karotte oder Möhre hat je nach Region verschiedene Namen, die mit dem genutzten Pflanzenteil und/oder der Farbe zusammenhängen: Wurzel, Gelbe Rübe oder Mohrrübe. Der Schwerpunkt bei der Nutzung liegt bei der Wurzel (Rübe), die die zweijährige Karotte in ihrem ersten Jahr als Speicher ausbildet. Wenn man die Karotte nicht erntet, wachsen aus der grünen Blattrosette bis zu einem Meter hohe Sprossen, die im Sommer in weißen Dolden blühen.

Karotte

In der chinesischen Medizin wird hauptsächlich die Wurzel der Karotte gebraucht. Die Karottensamen und das daraus gewonnene Öl dagegen nutzt eher die moderne, europäische Phytotherapie: vor allem als Hauttherapeutikum bei entzündlichen Erkrankungen und als Prophylaxe vor den schädlichen Auswirkungen von UV-Strahlen. Die Karotte hat laut chinesischer Medizin einen süßen Geschmack und ein neutrales Temperaturverhalten. Mit diesen Eigenschaften ist die Karotte der Wandlungsphase Erde/Mitte zuzuordnen. Entsprechend sieht das Wirkungsspektrum aus: Es reicht von Verdauungsstörungen wie Blähungen oder Durchfall über entzündliche Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt bis zum übersäuerten Magen. Die Karotte zeigt bei diesen Indikationen ihre Eigenschaften, Hitze zu reduzieren und diese sowie Feuchtigkeit auszuleiten. Die Karotte besitzt zwar keine ausgeprägte kühlende Funktion, dafür unterstützt und fördert sie aber die Aufgaben der Wandlungsphase Mitte so sehr, dass kühlende und ausleitende Wirkungen die Folge sind. Dies gilt sowohl für den gesamten Verdauungstrakt als auch für die Atemwege. Die Karotte tonisiert, d.h. sie mobilisiert Energie. Die chinesische Medizin differenziert diese Tonisierung zum einen in den Bereich des Qi. Hier beeinflusst die Karotte vor allem das Qi der Milz, neben dem Magen das zweite Organ in der Wandlungsphase Mitte. Sie stärkt also die Verdauungskraft und legt so die Grundlage für das Funktionieren der verschiedenen Körperbereiche, allen voran des gesamten Verdauungsbereichs. Aber auch andere Qi-Bereiche profitieren davon wie etwa das Wei Qi, die Abwehrkraft.

Karotte

Der zweite Bereich der Tonisierung ist das Blut. Die chinesische Medizin versteht darunter mehr als der deutsche Begriff meint. Blut ist Yin und hat nährende sowie befeuchtende Aufgaben in den verschiedenen Körperbereichen. Die Wirkung der Karotte auf das Blut ist am deutlichsten an den Augen erkennbar. Ihre nährende und befeuchtende Eigenschaft wirkt sich positiv auf die Sehkraft, vor allem nachts, aus. Außerdem hilft sie gegen trockene Augen, auch wenn sie jucken wie zum Beispiel in der Heuschnupfenzeit. Die Tonisierung des Bluts zeigt sich auch in Haut und Schleimhäuten, bei denen die Karotte gegen Trockenheit eingesetzt wird. Die Karotte kann roh und gekocht genutzt werden. Rohe Karotten setzen aber eine funktionierende Mitte voraus, ansonsten sind sie für die Mitte eher eine Belastung. Die aktuelle Forschung untersucht den Einsatz der Karotte in der Krebstherapie und in der Tumor-Prophylaxe. Auch wenn man nicht von einem Wundermittel sprechen kann, so stimmt doch die chinesische Aussage, nach der die Karotte der Ginseng des kleinen Mannes ist.