Hirtentäschel – Capsella bursa pastoris

Hirtentäschel

Die unscheinbare Pflanze, die in Europa heimisch ist, zeigt sich bereits im Februar und blüht bis in den November hinein. Eine Pflanze kann in einem Jahr über 60.000 Samen bilden. Von den Samenschoten leitet sich auch der Name ab: Die kleinen herzförmigen Schoten sehen wie kleine Hirtentaschen aus. Das in unseren Breiten doch eher als Unkraut wahrgenommene Hirtentäschel wird in Südchina als Frühlingsbote betrachtet und gehört in der dortigen Küche im Frühjahr auf den Speiseplan. Gegessen werden die Blätter bzw. die ganze Pflanze vor der Blüte. Es eignet sich als Beigabe in einem Wildkräutersalat, kann zusammen mit Tofu oder als Gemüseeinlage in einer Suppe genossen werden. In der südchinesischen Küche findet man es auch als Füllung in den Frühlingsrollen.

Ein klassischer Lehrsatz der chinesischen Medizin lautet: Qi bewegt das Blut (Xue) und Blut nährt das Qi.  Beide bedingen sich gegenseitig und somit wirkt sich ein Mangel des einen auch auf das andere aus. Kann eine Blutung gestoppt oder vermindert werden, hat das daher auch Vorteile für das Qi. Die blutstillende Eigenschaft des Hirtentäschels ist wohl auch die bekannteste. Schon Hildegard von Bingen wusste darum. Das Kraut hat einen adstringierenden (zusammenziehenden) Effekt, der bei verschiedenen Formen von Blutungen genutzt wird. Neben dem Zusammenziehen wirkt Hirtentäschel auch kühlend und wird deshalb bei Blutungen eingesetzt, die auf eine Hitzesymptomatik zurückzuführen sind. Darunter fallen Zahnfleischbluten, Nasenbluten, aber auch Blutungen einer entzündeten Magenschleimhaut und übermäßige Monatsblutungen. Kühlend und klärend wirkt das Kraut auch auf entzündete Augen, bei Mandel- und Blasenentzündungen.

Hirtentäschel2

Die chinesische Medizin empfiehlt das Hirtentäschel bei Menschen, die allzu verschwenderisch mit ihren Energien umgehen, also sehr vom Yang geprägt sind. Dies kann bis zum Verlust von Blut, also Lebenssaft, führen. Das Hirtentäschel, das auch Herzkraut oder Blutkraut genannt wird, kann Hitze kühlen und durch die zusammenziehende Wirkung vor weiterem Energieverlust bewahren. Somit werden auch die zu kurz gekommenen Yin-Aspekte des Menschen geschützt und gestärkt.

 

Hirtentäschel kann als Tee und Tinktur sowohl eingenommen als auch äußerlich angewandt werden. Wie bei allen Heilkräutern gilt: Eine längere Einnahme sollte mit Heilpraktikern, Apothekern oder Ärzten abgesprochen werden.