Gundermann/Gundelrebe – Glechoma hederaceae

Gundermann

Der Gundermann, auch Gundelrebe genannt, ist eine mehrjährige Pflanze, die in Europa und in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel verbreitet ist. Er wächst überall da, wo es feuchten und nährstoffreichen Boden gibt, vor allem in Wiesen und Wäldern. Die Gundelrebe wird heute als Unkraut bezeichnet, weil sie sich recht hartnäckig auch im Garten ausbreitet. Dabei ist das Wissen um sie als Heil- und Gewürzpflanze verloren gegangen. Der Gundermann ist wie der ebenso ungeliebte Giersch ein Kraut, das durch Essen „bekämpft“ werden kann und darüber hinaus noch gesund ist. Er bildet lange Ausläufer mit aufrechten Stängeln, an denen sich im Frühsommer die meist blau-violetten Blüten zeigen, die vor allem von Hummeln und Schmetterlingen besucht werden. Der Name Gundermann/Gundelrebe könnte auf das althochdeutsche „Gund“ zurückgehen, das „Eiter“ bedeutet und auf die Nutzung des Gundermanns als Wundheilpflanze im Mittelalter hinweist.

Gundermann/ Gundelrebe

Die Gundelrebe hat einen bitteren, würzigen Geschmack und wärmt leicht. Außerdem wirkt sie trocknend, zusammenziehend (adstringierend) und wundheilend. In der chinesischen Medizin ist der Gundermann mit diesen Eigenschaften dort einzuordnen, wo zu viel Feuchtigkeit vorhanden ist. Das ist beispielsweise in der Wandlungsphase Metall die Lunge, wenn die Atemwege verschleimt sind: Schnupfen, Husten, Bronchitis. Gundermann löst den Schleim und unterstützt die Lunge in ihrer Arbeit. Somit kann der gelöste Schleim auch gut abtransportiert werden. Zur Aufgabe der Lunge laut chinesischer Medizin gehört auch die Sicherstellung der Abwehr durch das Abwehr-Qi (Wei Qi). Auch hierzu kann die Gundelrebe ihren Beitrag leisten. Sie ist wie ein Kraut für den Frühjahrsputz, sie löst Schleim und Schlacken. So von den Altlasten des Winters befreit, kann die Lunge wieder aufatmen und gut funktionieren.

Die entschleimende, reinigende und befreiende Wirkung des Gundermanns findet auch in anderen Körperregionen statt: Leber und Galle, Verdauung, Niere und Blase. Überall wird aufgeräumt und Platz sowie Energie für die eigentlichen Aufgaben geschaffen: die Leber hat für einen freien Qi-Fluss zu sorgen und das aufstrebende Yang des Frühjahrs zu bändigen bzw. in Bahnen zu lenken. Die Milz, als Vertreter der Wandlungsphase Erde, hat die große Aufgabe der Transformation, sprich die Verdauung und Verarbeitung jeglichen „Inputs“. Da daraus wieder Qi entsteht, haben alle anderen Organe etwas davon, wenn sie ihre Arbeit gut macht. Die Niere ist zum einen das Yin-Organ schlechthin und hat Konstitution und Erbgut unter sich. Gleichzeitig ist es auch der Ursprung des Yang, ohne das jegliche Yang-Aufgaben wie die Transformation der Milz nicht möglich wäre. Die Blase wiederum ist eine Instanz, die entscheidet, ob etwas als Materie (Yin) verbleibt oder sich auflöst (Yang) und von ihr ausgeschieden wird.

 

Gundermann ist zusammen mit Löwenzahn, Gänseblümchen und Co. eine geeignete Pflanze für eine Frühjahrskur, um den gesamten Organismus auf Vordermann zu bringen und die Trägheit des Winters abschütteln. Die Gundelrebe sollte am besten frisch gesammelt genutzt werden. Im getrockneten Zustand verliert sie zu viele ihrer Inhaltsstoffe. Die frischen Pflanzenteile (Blätter, Blüten, Stängel) können roh in einem Wildkräutersalat gegessen werden. Sie eignen sich auch zur Teezubereitung, der dann sowohl getrunken als auch für Umschläge genutzt werden kann.