Artischocke – Cynara scolymus

Artischocke

Die mehrjährige Artischockenpflanze stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und ist ein Distelgewächs. Als essbare Distel war sie bereits den alten Ägyptern bekannt. Aus der frostempfindlichen Pflanze wachsen ab dem zweiten Jahr bis zu zwei Meter hohe Stängel mit grau-grünen, gezackten Blättern. An deren Spitze bilden sich die Blütenstände, die vor der Blüte geerntet werden. Lässt man die Blüten zur Entfaltung kommen, dann erscheinen schöne blau-violette Blüten zum Vorschein. In der Küche werden die wie Schuppen angeordneten Blätter des Blütenstandes und der Blütenboden verwendet. Die Medizin nutzt vor allem die Blätter, selten findet sich in der Literatur auch die Verwendung der Artischockenwurzel.

Artischocke

Die Artischocke hat einen bitteren Geschmack und wirkt trocknend. Sie weist außerdem wärmende und kühlende Eigenschaften auf. Wie das zusammenpasst, wird sich noch zeigen. Ähnlich der westlichen Medizin setzt die chinesische Medizin die Artischocke im Verdauungsbereich und dort vor allem im Leber-Galle-System ein. Die Wirkung auf die Fettverdauung ist gemeinhin das bekannteste Merkmal der Artischocke. Sie fördert die Bildung der Gallenflüssigkeit und greift in den Cholesterinstoffwechsel ein. Daher wird sie gern und effektiv bei erhöhten Blutfettwerten eingesetzt. Durch ihre Fähigkeit Cholesterin zu senken, beugt die Artischocke Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose) vor. Völlegefühl und Schmerzen im Oberbauch, gerade nach fettreichem Essen, werden durch die Artischocke gelindert. Sie harmonisiert das Zusammenspiel von Leber und Galle sowie der verschiedenen Verdauungsorgane. Das sind in der chinesischen Medizin die Organe Milz und Magen, beide in der Wandlungsphase Erde verortet. In diesem Zusammenhang kann man durchaus vom wärmenden Charakter der Artischocke sprechen, da gerade die Milz Wärme liebend ist und ihre Arbeit nur mit Wärme gut verrichten kann. Aber auch der Magen kann im kalten Zustand nicht gut arbeiten. Daher soll man nach der chinesischen Diätetik den Tag mit einem warmen Frühstück beginnen.

Die Artischocke unterstützt nicht nur die Funktion der Leber. Sie schützt darüber hinaus auch die Leber, hilft bei der Leberentgiftung und regt die Erneuerung der Leberzellen an. Bei der Vorbeugung von Lebererkrankungen nimmt die Artischocke damit einen ähnlichen Stellenwert ein wie die Mariendistel. Aus Sicht der chinesischen Medizin ist diese Wirkung der Artischocke wie ein kühlender Effekt zu sehen. Der Schutz der Leber und die Regeneration der Leberzellen ist eine Yin-Funktion. Und Yin hat generell kühlende Eigenschaften, während die wärmenden dem Yang zugeschrieben werden. Kühlend wirkt die Artischocke aber auch offensichtlicher, wenn Spannungskopfschmerz wie Migräne, rote Augen, roter Kopf, Gereiztheit sowie angestaute Emotionen, wie sie vor der Menstruation auftreten können, behandelt werden. Die chinesische Medizin spricht von Leber-Feuer, das hochschlägt und von der Artischocke gekühlt werden kann, bzw. von gestautem Leber-Qi, das zum Fließen gebracht werden soll.

 

Die Artischocke kann zu therapeutischen Zwecken als Tee, Tinktur oder Frischpflanzenpresssaft eingenommen werden. In diesen Formen ist der bittere Geschmack deutlich zu spüren, was durchaus ein sinnvoller Bestandteil einer Therapie sein kann. Eine bequemere Form sind Kapseln oder Tabletten, die in unterschiedlicher Dosierung angeboten werden. Bei der Einnahme von Artischocken-Präparaten ist darauf zu achten, dass in der Leber vermehrt Galleflüssigkeit entsteht, die über die Gallenwege abfließen soll. Wenn diese Wege verengt sind und/oder Gallensteine vorhanden sind, bitte vorher unbedingt Rücksprache mit einem Heilpraktiker oder Arzt halten.